Wenn das amerikanische Englisch ein italienisches Wort übernimmt, behält es meist die italienischen Regeln für die Konsonanten: C und G vor E oder I sind weich (/tʃ/ und /dʒ/), CH und GH dagegen hart (/k/ und /ɡ/). Die Vokale werden hingegen amerikanisiert: Aus dem End-o wird /oʊ/, aus dem End-a ein Schwa, und ein T zwischen Vokalen wird zum schnellen Flap, sodass spaghetti wie [spəˈɡɛɾi] klingt.
Das ist die ganze Idee in zwei Sätzen. Wenn Sie die wenigen Buchstabenkombinationen unten kennen, können Sie eine Speisekarte mit cappuccino, bruschetta, prosciutto oder gnocchi sicher vorlesen und die Wörter so aussprechen, wie amerikanische Zuhörer es erwarten.
Warum das funktioniert: zwei Schreibsysteme in einem Wort
Die italienische Rechtschreibung ist sehr regelmäßig: Jede Buchstabenkombination hat genau eine Aufgabe. Das Englische hat die meisten italienischen Wörter über Küche, Musik und Kunst übernommen, und zwar mit unveränderter Schreibung. Deshalb kamen auch die italienischen Konsonantenregeln mit. So erklärt sich, dass cello mit einem „tsch“ beginnt, obwohl das englische Wort cell mit /s/ anfängt.
Bei den Vokalen sieht es anders aus. Amerikaner gießen italienische Wörter in englische Lautmuster: Betonte Silben bleiben kräftig, unbetonte schrumpfen zum Schwa /ə/, und Endvokale werden zum nächstliegenden englischen Vokal. Das Ergebnis ist eine Mischform: italienische Konsonanten mit amerikanischem Rhythmus und amerikanischen Vokalen.
Eine hilfreiche Merkhilfe: Im Italienischen ist das H ein „Härter“. Es hat keinen eigenen Laut; seine einzige Aufgabe ist, C und G vor E und I hart zu halten. Also ist ch = /k/ und gh = /ɡ/, und zwar ohne den deutschen Ach- oder Ich-Laut. Um C oder G vor A, O oder U weich zu machen, fügt das Italienische ein stummes I ein: ciao, ciabatta, focaccia.
Die italienischen Schreibregeln im Einzelnen
| Schreibung | Laut | Beispiele (US-IPA) | Achtung |
|---|---|---|---|
| c + e/i | /tʃ/ | cello /ˈtʃɛloʊ/, cappuccino /ˌkæpəˈtʃinoʊ/ | kein /ts/ wie in Cäsar |
| ch | /k/ | Chianti /kiˈɑnti/, zucchini /zuˈkini/ | kein /x/ oder /ç/ wie in Bach, ich |
| g + e/i | /dʒ/ | gelato /dʒəˈlɑt̬oʊ/, arpeggio /ɑrˈpɛdʒioʊ/ | kein hartes /ɡ/ wie in Gelb |
| gh | /ɡ/ | spaghetti /spəˈɡɛt̬i/, ghetto /ˈɡɛt̬oʊ/ | das h hält das g hart |
| sc + e/i | /ʃ/ | prosciutto /proʊˈʃut̬oʊ/, crescendo /krəˈʃɛndoʊ/ | weder /s/ noch /sk/ |
| gn | /nj/ | lasagna /ləˈzɑnjə/, gnocchi /ˈnjɑki/ | kein /ɡn/ wie in Gnom |
| gli | /lj/ | tagliatelle /ˌtɑljəˈtɛli/ | das g ist stumm |
| z, zz | meist /ts/ | pizza /ˈpitsə/, paparazzi /ˌpɑpəˈrɑtsi/ | aber /z/ in zucchini |
Regel 1: C vor E oder I klingt /tʃ/
Im Italienischen klingt C vor E oder I wie das deutsche „tsch“ in Deutsch. Daher cello /ˈtʃɛloʊ/, ciao /tʃaʊ/, cappuccino /ˌkæpəˈtʃinoʊ/, concerto /kənˈtʃɛrt̬oʊ/, ciabatta /tʃəˈbɑt̬ə/ und focaccia /foʊˈkɑtʃ(i)ə/. In echten englischen Wörtern ist das weiche C dagegen /s/: city, cent, cell. In ciao und ciabatta zeigt das I nur an, dass das C weich ist; es wird nicht als eigener Vokal gesprochen.
Regel 2: CH klingt /k/
Weil das H das C hart macht, ist ch in italienischen Wörtern immer /k/: Chianti /kiˈɑnti/, zucchini /zuˈkini/, Pinocchio /pəˈnoʊkioʊ/. Der berühmteste Fall ist bruschetta. Die dem Italienischen treue Aussprache ist /bruˈskɛt̬ə/, mit /sk/. Viele Amerikaner sagen /bruˈʃɛt̬ə/ und lesen „sch“ wie im Deutschen. In amerikanischen Restaurants hört man beides; /sk/ ist die Form, die der Regel folgt.
Regel 3: G vor E oder I klingt /dʒ/, GH klingt /ɡ/
G funktioniert genau wie C. Vor E oder I ist es weich, /dʒ/ wie in Dschungel: gelato /dʒəˈlɑt̬oʊ/, arpeggio /ɑrˈpɛdʒioʊ/. Bei adagio machen viele Amerikaner den Laut noch weicher und sagen /əˈdɑʒioʊ/, auch wenn /əˈdɑdʒioʊ/ ebenfalls vorkommt. Mit H bleibt das G hart: spaghetti /spəˈɡɛt̬i/, ghetto /ˈɡɛt̬oʊ/, Lamborghini /ˌlæmbɔrˈɡini/.
Regel 4: SC vor E oder I klingt /ʃ/
Die Kombination sc + E oder I ergibt ein „sch“: prosciutto /proʊˈʃut̬oʊ/, crescendo /krəˈʃɛndoʊ/. Hier gibt es weder /s/ noch /k/. Vor A, O oder U, oder wenn ein H dazukommt (sch), bleibt die Folge /sk/; genau deshalb hat bruschetta im Italienischen ein /sk/.
Regel 5: GN klingt /nj/ und GLI klingt /lj/
Das G in gn wird nicht als /ɡ/ gesprochen. Es verwandelt das N in ein „nj“ wie in Kognak oder Champagner: lasagna /ləˈzɑnjə/, und gnocchi, das Amerikaner als /ˈnjɑki/ oder einfach /ˈnoʊki/ aussprechen. Genauso klingt gli wie „lj“: tagliatelle /ˌtɑljəˈtɛli/. Eine typisch amerikanische Ausnahme: Die Stadt Bologna heißt /bəˈloʊnjə/, die Aufschnittwurst bologna aber /bəˈloʊni/, weshalb sie auch baloney geschrieben wird.
Regel 6: Z und ZZ klingen meist /ts/
Amerikaner behalten das italienische /ts/ in pizza /ˈpitsə/, mozzarella /ˌmɑtsəˈrɛlə/, paparazzi /ˌpɑpəˈrɑtsi/ und intermezzo /ˌɪntɚˈmɛtsoʊ/. Aber zucchini beginnt mit einem einfachen, stimmhaften /z/ wie in Sonne, und manche Amerikaner sprechen auch mozzarella mit /z/: /ˌmɑzəˈrɛlə/.
Regel 7: Die Betonung liegt meist auf der vorletzten Silbe
Die meisten italienischen Wörter werden auf der vorletzten Silbe betont, und das Englische übernimmt diese Betonung: spaGHEtti, laSAgna, cappucCIno, mozzaRELla, esPRESso. Bei einem unbekannten italienischen Wort ist das Ihre sicherste Wahl. Die Ausnahmen stammen meist aus dem Italienischen selbst: broccoli heißt /ˈbrɑkəli/, weil auch das Italienische die erste Silbe betont, ebenso piccolo /ˈpɪkəloʊ/. Latte /ˈlɑteɪ/ ist regelmäßig: zwei Silben, betont ist die vorletzte.
Die amerikanischen Anpassungsregeln
Das ändert sich, wenn ein italienisches Wort ins amerikanische Englisch kommt. Diese Regeln erklären, warum die „pizza“ oder die „spaghetti“ eines Amerikaners nicht wie in Italien klingen, und warum das völlig normal ist.
| Italienisches Merkmal | Im amerikanischen Englisch | Beispiel |
|---|---|---|
| -o am Ende | /oʊ/ | espresso /ɛˈsprɛsoʊ/ |
| -a am Ende | Schwa /ə/ | pasta /ˈpɑstə/, ciabatta /tʃəˈbɑt̬ə/ |
| -i am Ende | /i/ | ravioli /ˌræviˈoʊli/, biscotti /bɪˈskɑt̬i/ |
| -e am Ende | /eɪ/ oder /i/ | latte /ˈlɑteɪ/, minestrone /ˌmɪnəˈstroʊni/ |
| Doppelkonsonanten | ein kurzer Konsonant | spaghetti, mozzarella |
| t zwischen Vokalen | Flap [ɾ] | gelato [dʒəˈlɑɾoʊ] |
| gerolltes r | amerikanisches /r/ | mozzarella, arpeggio |
- End-o wird zu /oʊ/. Espresso heißt /ɛˈsprɛsoʊ/, mit einem Gleitlaut Richtung „u“ am Ende. Achten Sie auf die Schreibung: espresso, nicht „expresso“; ein /ks/ gibt es im Wort nicht.
- End-a wird zum Schwa /ə/. pizza /ˈpitsə/, pasta /ˈpɑstə/, ciabatta /tʃəˈbɑt̬ə/.
- End-i ist /i/. spaghetti /spəˈɡɛt̬i/, ravioli /ˌræviˈoʊli/, biscotti /bɪˈskɑt̬i/.
- End-e schwankt. In latte ist es /eɪ/ (/ˈlɑteɪ/), in minestrone /ˌmɪnəˈstroʊni/, provolone /ˌproʊvəˈloʊni/ und finale /fəˈnæli/ dagegen /i/. Die Schreibung verrät es nicht, also lernen Sie diese Wörter einzeln.
- Unbetonte Vokale werden zum Schwa. Der erste Vokal von lasagna, gelato und mozzarella ist ein kurzes /ə/, kein volles A, E oder O.
- Doppelkonsonanten werden nicht gelängt. Im Italienischen wird das Doppel-T in spaghetti länger gehalten. Im Englischen sind tt, zz und cc nur Schreibung, wie im Deutschen auch.
- T zwischen Vokalen wird zum Flap. spaghetti [spəˈɡɛɾi], gelato [dʒəˈlɑɾoʊ], biscotti [bɪˈskɑɾi]. Die Zunge tippt nur ganz kurz an, fast wie ein schnelles, weiches D, ohne Behauchung.
- Das amerikanische /r/ ersetzt das gerollte R. In mozzarella und arpeggio gibt es weder Zungenspitzen-R noch Zäpfchen-R; die Zunge wölbt sich, ohne den Gaumen zu berühren.
Noch eine amerikanische Besonderheit: pepperoni /ˌpɛpəˈroʊni/ ist eine Schöpfung der USA. In Italien bedeutet peperoni Paprika; wer in Rom eine „pepperoni pizza“ bestellt, bekommt womöglich eine Pizza mit Paprika.
Ausnahmen und wie man sie erkennt
- bruschetta: /bruˈskɛt̬ə/ folgt der Regel; /bruˈʃɛt̬ə/ ist in den USA sehr verbreitet. Beides ist zu hören.
- zucchini: /z/, nicht /ts/.
- mozzarella: /ts/ oder /z/, beides kommt vor.
- gnocchi: /ˈnjɑki/ oder /ˈnoʊki/.
- bologna (Wurst) /bəˈloʊni/ gegenüber Bologna (Stadt) /bəˈloʊnjə/.
- End-e: /eɪ/ in latte, /i/ in minestrone, provolone und finale.
- Betonung: broccoli und piccolo werden auf der ersten Silbe betont.
Das Muster hinter den Ausnahmen: Wörter, die Amerikaner seit Generationen täglich benutzen (bologna, zucchini, pepperoni), haben sich am weitesten vom Italienischen entfernt, während neuere oder eher „gehobene Restaurant“-Wörter (bruschetta, prosciutto, tagliatelle) näher an den italienischen Regeln bleiben.
Sollte man die italienische Aussprache verwenden?
Ein Wort italienisch auszusprechen ist nicht „falsch“. Aber in einem englischen Satz erwarten Zuhörer die amerikanisierte Form, und eine ganz italienische pizza oder spaghetti mitten im Englischen kann gekünstelt wirken, als würden Sie eine Rolle spielen. Der praktische Weg: Sprechen Sie die amerikanische Version und kennen Sie auch die italienische, damit Sie sie verstehen, wenn ein Koch, ein Musiker oder eine Filmfigur sie benutzt.
Typische Fehler deutschsprachiger Lernender
- Jedes Z als /ts/ sprechen. Bei pizza liegen Sie richtig, aber zucchini beginnt im Amerikanischen mit stimmhaftem /z/: /zuˈkini/, nicht „Tsukini“.
- „Schp“ am Wortanfang. Der deutsche Reflex macht aus spaghetti ein „Schpaghetti“. Im Englischen ist es ein klares /sp/.
- SCH als /ʃ/ lesen. Das deutsche „sch“ in bruschetta ergibt /bruˈʃɛt̬ə/. Viele Amerikaner sagen das auch, aber /sk/ ist die Form, die der Regel folgt.
- GN als /ɡn/ lesen. Gnocchi ist nicht „G-nocchi“ wie in Gnom; das G ist stumm: /ˈnjɑki/ oder /ˈnoʊki/.
- Hartes G vor E und I. Gelato mit /ɡ/ wie in Gelb ist falsch; richtig ist /dʒəˈlɑt̬oʊ/.
- Behauchtes T statt Flap. Ein kräftiges deutsches T in spaghetti oder gelato klingt hart; zwischen Vokalen wird das amerikanische T zum weichen Flap [ɾ].
- Volle Endvokale. Ein reines -o ohne Gleitlaut /oʊ/ oder ein volles -a in pasta klingen im amerikanischen Englisch fremd.
- „Expresso“ sagen. Das Wort heißt espresso, /ɛˈsprɛsoʊ/.
Das Englische hat auch aus dem Spanischen und Französischen entlehnt, jeweils mit eigenen Regeln. Vergleichen Sie diesen Leitfaden mit den spanischen Lehnwörtern im amerikanischen Englisch und mit den französischen Lehnwörtern wie ballet und buffet.
Übung
Hören Sie sich jedes Wort an und sprechen Sie es nach. Prüfen Sie zuerst den Konsonanten (italienische Regel), dann die Vokale und den Flap (amerikanische Regel).
Übungssätze
Lesen Sie diese Sätze laut vor. Markieren Sie zuerst jedes c, ch, g, gh, sc, gn und z; sprechen Sie den Satz dann mit amerikanischen Vokalen und geflapptem T.
- I'll have a cappuccino and a slice of focaccia, please.
- The cello solo came right before the crescendo.
- We ordered bruschetta, lasagna, and a bottle of Chianti.
- Can you add prosciutto and mozzarella to the ciabatta?
- The paparazzi followed her to the gelato shop.
- He drinks an espresso after every plate of spaghetti.
Kurze Checkliste
- c + e/i = /tʃ/ (cello); ch = /k/ (Chianti)
- g + e/i = /dʒ/ (gelato); gh = /ɡ/ (spaghetti)
- sc + e/i = /ʃ/ (prosciutto)
- gn = /nj/ (lasagna); gli = /lj/ (tagliatelle)
- z, zz = meist /ts/ (pizza), aber /z/ in zucchini
- Betonung auf der vorletzten Silbe (außer broccoli, piccolo)
- End-o = /oʊ/, End-a = /ə/, End-i = /i/, End-e = /eɪ/ oder /i/
- Keine langen Doppelkonsonanten; T zwischen Vokalen als Flap; amerikanisches /r/; /sp/ statt „schp“