Die Endung -ite hat im amerikanischen Englisch zwei Hauptaussprachen: Sie reimt sich auf kite (/aɪt/), wenn die Silbe betont ist, und schrumpft zu einem ganz kurzen /ət/, wenn die Silbe völlig unbetont ist. Deshalb enden polite und invite auf /aɪt/, während definite, favorite und opposite auf ein schwaches /ət/ enden, das fast wie „it“ klingt.
Viele Lernende lesen jedes -ite als „eit“, weil die Schreibung wie ein Wort mit stummem E aussieht (das bekannte magic E). Hier entscheidet aber nicht die Schreibung über den Laut, sondern die Betonung. Wenn Sie wissen, wo der Wortakzent liegt und um welche Wortart es sich handelt, können Sie den Vokal fast immer vorhersagen.
Die Regel in drei Schritten
- Ist -ite die betonte Silbe? Dann sagen Sie /aɪt/: polite /pəˈlaɪt/, invite /ɪnˈvaɪt/, unite /juˈnaɪt/.
- Ist es ein Nomen für ein Ding, ein Lebewesen, ein Mineral oder eine Gruppe von Menschen (oder ein Verb) mit einer leichten Nebenbetonung auf -ite? Ebenfalls /aɪt/: satellite /ˈsæt̬əˌlaɪt/, termite /ˈtɝˌmaɪt/, expedite /ˈɛkspəˌdaɪt/.
- Ist es ein Adjektiv, dessen Hauptbetonung zwei oder drei Silben früher liegt? Dann ist -ite schwach: /ət/ (manche Sprecher sagen /ɪt/): definite /ˈdɛfənət/, favorite /ˈfeɪvərət/, opposite /ˈɑpəzət/.
Warum das funktioniert: Die Betonung steuert den Vokal
Englisch ist eine akzentzählende Sprache. Betonte Silben behalten ihren vollen Vokal, und völlig unbetonte Silben werden meist zum Schwa /ə/ reduziert, einem neutralen, entspannten Laut wie dem „e“ in „bitte“. Die Endung -ite folgt genau derselben Logik wie der Rest der Sprache.
Betontes -ite behält das lange I
In einsilbigen Wörtern wie bite, kite, white und site ist das ganze Wort betont, also erzeugt das stumme E das lange I /aɪ/ (wie „ei“ in „Zeit“). Dasselbe passiert, wenn -ite die betonte letzte Silbe eines längeren Wortes ist: ignite /ɪɡˈnaɪt/, excite /ɪkˈsaɪt/, recite /rɪˈsaɪt/, despite /dɪˈspaɪt/. Die meisten davon sind Verben, und viele zweisilbige englische Verben werden auf der zweiten Silbe betont.
Auch die Nebenbetonung behält das lange I
Längere Nomen, die Dinge, Tiere, Materialien oder Gruppen von Menschen bezeichnen, tragen meist einen kleinen Nebenakzent auf -ite. Er ist schwächer als der Hauptakzent, reicht aber aus, um den vollen Vokal zu schützen. Hören Sie auf den Rhythmus von SÄT-e-leit: Die erste Silbe ist am lautesten, aber die letzte klingt immer noch deutlich nach „leit“, nicht nach „lit“.
- Lebewesen und Dinge: termite /ˈtɝˌmaɪt/, satellite /ˈsæt̬əˌlaɪt/, parasite /ˈpɛrəˌsaɪt/, meteorite /ˈmit̬iəˌraɪt/, appetite /ˈæpəˌtaɪt/
- Materialien und Minerale: dynamite /ˈdaɪnəˌmaɪt/, graphite /ˈɡræˌfaɪt/
- Gruppen und Typen von Menschen: socialite /ˈsoʊʃəˌlaɪt/, suburbanite /səˈbɝbəˌnaɪt/
- Einige Verben: expedite /ˈɛkspəˌdaɪt/, extradite /ˈɛkstrəˌdaɪt/
Unbetontes -ite wird zu /ət/
Eine Gruppe sehr häufiger Adjektive kam über lateinische Partizipien auf -itus ins Englische, etwa definitus und infinitus (daher auch „definitiv“ und „infinit“). In diesen Wörtern war -ite nie betont, also behandelt das Englische es als schwache Endung: Der Vokal wird zum Schwa, und das End-E ist nur ein Rest der Schreibung. Das Ergebnis ist /ət/: definite /ˈdɛfənət/, infinite /ˈɪnfənət/, requisite /ˈrɛkwəzət/, composite /kəmˈpɑzət/, apposite /ˈæpəzət/.
In der Alltagssprache verliert favorite oft sogar eine Silbe: Viele Amerikaner sagen /ˈfeɪvrət/ („FEJV-rət“) statt /ˈfeɪvərət/. Beide Formen sind natürlich.
Beispiele für das Muster
| Wort | Wortart | Betonung auf -ite | -ite klingt wie | IPA (USA) |
|---|---|---|---|---|
| polite | Adjektiv | betont (letzte Silbe) | /aɪt/ | /pəˈlaɪt/ |
| invite | Verb | betont (letzte Silbe) | /aɪt/ | /ɪnˈvaɪt/ |
| excite | Verb | betont (letzte Silbe) | /aɪt/ | /ɪkˈsaɪt/ |
| despite | Präposition | betont (letzte Silbe) | /aɪt/ | /dɪˈspaɪt/ |
| satellite | Nomen | Nebenbetonung | /aɪt/ | /ˈsæt̬əˌlaɪt/ |
| termite | Nomen | Nebenbetonung | /aɪt/ | /ˈtɝˌmaɪt/ |
| appetite | Nomen | Nebenbetonung | /aɪt/ | /ˈæpəˌtaɪt/ |
| dynamite | Nomen | Nebenbetonung | /aɪt/ | /ˈdaɪnəˌmaɪt/ |
| expedite | Verb | Nebenbetonung | /aɪt/ | /ˈɛkspəˌdaɪt/ |
| definite | Adjektiv | unbetont | /ət/ | /ˈdɛfənət/ |
| infinite | Adjektiv | unbetont | /ət/ | /ˈɪnfənət/ |
| favorite | Adjektiv / Nomen | unbetont | /ət/ | /ˈfeɪvərət/ |
| opposite | Adj. / Nomen / Präp. | unbetont | /ət/ | /ˈɑpəzət/ |
| exquisite | Adjektiv | unbetont | /ət/ | /ɛkˈskwɪzət/ |
| granite | Nomen | unbetont | /ət/ | /ˈɡrænət/ |
Beachten Sie, wie die Wortart zum Laut passt. Die /aɪt/-Gruppe besteht vor allem aus Verben und Nomen für Dinge. Die /ət/-Gruppe besteht hauptsächlich aus Adjektiven, mit granite als bekannter Ausnahme unter den Nomen.
Kontrastpaare: gleiche Wurzel, anderer Laut
Am besten spüren Sie die Regel, wenn Sie verwandte Wörter vergleichen, bei denen sich die Betonung verschiebt:
- finite /ˈfaɪˌnaɪt/ gegenüber infinite /ˈɪnfənət/: Wenn die Vorsilbe in- die Betonung übernimmt, ändern sich beide Vokale. Aus „FEI-neit“ wird „IN-fə-nət“.
- define /dɪˈfaɪn/ gegenüber definite /ˈdɛfənət/: Die Betonung springt auf die erste Silbe, das I wird zum Schwa und die Endung zu /ət/. Das Adverb folgt dem Adjektiv: definitely /ˈdɛfənətli/.
- polite /pəˈlaɪt/ gegenüber opposite /ˈɑpəzət/: Beide scheinen auf „-ite“ zu enden, aber nur polite betont diese Silbe.
Ausnahmen und wie man sie erkennt
Der Drei-Schritte-Test funktioniert für die meisten Wörter, einige muss man aber auswendig lernen:
- Adjektive mit /aɪt/: polite /pəˈlaɪt/ und contrite /kənˈtraɪt/ betonen das -ite und folgen damit Schritt 1. Erudite /ˈɛrjəˌdaɪt/ und recondite /ˈrɛkənˌdaɪt/ sind gehobene Adjektive, die eine Nebenbetonung und ein volles /aɪt/ behalten.
- Nomen mit /ət/ oder /ɪt/: granite /ˈɡrænət/ und hypocrite /ˈhɪpəkrɪt/ sehen aus wie Nomen für ein „Material“ und eine „Person“, haben aber eine kurze Endung.
- opposite kann Adjektiv (the opposite side), Nomen (the opposite of hot) oder Präposition (opposite the park) sein. Es heißt immer /ˈɑpəzət/.
- favorite ist Adjektiv und Nomen zugleich (my favorite, the favorite to win). In beiden Fällen bleibt /ət/.
- Lehnwörter aus dem Französischen wie elite /ɪˈlit/ (auch /eɪˈlit/) und petite /pəˈtit/ gehören nicht zu diesem System: Sie enden auf /it/, wie „eat“.
Die Aussprache schwankt unter Amerikanern ein wenig. Bei der schwachen Endung hören Sie sowohl /ət/ als auch /ɪt/, und Wörterbücher führen beide an. Wichtig ist nur, dass sie kurz und unbetont ist, niemals „eit“.
Typische Fehler deutschsprachiger Lernender
- Das deutsche „-it“ übertragen: Viele dieser Wörter gibt es auch im Deutschen, und zwar mit langem, betontem /iːt/ am Ende: „Satellit“, „Termite“ (mit /iː/), „Parasit“, „Dynamit“, „Graphit“, „Meteorit“, „Appetit“. Der Reflex ist daher „sä-te-LIET“ oder „a-pe-TIET“. Im Englischen heißt es SÄT-ə-leit und Ä-pə-teit: Hauptbetonung vorne, /aɪt/ am Ende.
- Die Betonung ans Ende legen: Deutsche Fremdwörter auf -it werden fast immer auf der letzten Silbe betont. Im Englischen liegt der Hauptakzent bei allen Wörtern aus Schritt 2 und 3 am Wortanfang: FEJV-rət, DÄ-fə-nət, A-pə-zət.
- Das stumme E als feste Regel lesen: Wer das magic E kennt, sagt leicht „defi-NEIT“ oder „oppo-SEIT“. Diesen Fehler hört ein amerikanisches Ohr am deutlichsten.
- Ein langes, gespanntes /iː/ verwenden: Selbst wenn Sie die Endung von definite kurz machen, klingt ein deutsches „i“ wie in „Lied“ zu hell und zu gespannt. Die schwache Endung ist ein entspanntes Schwa, ähnlich dem „e“ in „bitte“.
- Das End-E aussprechen: Wegen „Termite“ oder „Elite“ sprechen manche das E am Ende mit. Im Englischen ist es stumm: termite hat zwei Silben, favorite zwei oder drei.
Übungswörter
Klicken Sie auf jede Karte, um das Wort zu hören und sich selbst aufzunehmen. Achten Sie darauf, ob die letzte Silbe ein volles „eit“ oder ein schnelles „ət“ ist.
Übungssätze
Bevor Sie jeden Satz laut lesen, entscheiden Sie, ob jedes fett gedruckte Wort auf /aɪt/ oder /ət/ endet. Sprechen Sie ihn dann langsam und zum Schluss in natürlichem Tempo.
- It is polite to invite your neighbors, and it is definitely my favorite tradition.
- The satellite photos show a huge granite cliff on the opposite side of the valley.
- Despite his big appetite, he left an exquisite dessert on the plate.
- Our resources are finite, not infinite, so we need a definite plan.
- They used dynamite to clear the rock; the termites were a different problem.
Kurze Checkliste
- Betontes -ite (polite, invite, excite, despite): /aɪt/, wie kite.
- Nomen für Dinge, Lebewesen, Materialien und Gruppen mit Nebenbetonung (satellite, termite, appetite, dynamite) sowie Verben wie expedite: /aɪt/.
- Adjektive mit Betonung vorne (definite, infinite, favorite, opposite, exquisite): schwaches /ət/ oder /ɪt/.
- Lernen Sie die Ausnahmen: granite, hypocrite (kurz) und contrite, erudite (lang).
- Niemals „-iet“ wie im deutschen „Satellit“ oder „Appetit“, und niemals das End-E aussprechen.
Sie möchten weitere Muster, bei denen die Betonung den Klang einer Endung verändert? Lesen Sie, wann -dom, -some, -hood und -ship ihren Vokal reduzieren oder behalten, oder warum policeman und policemen gleich klingen.