Die Regel: Wenn -ward eine Nachsilbe ist (forward, backward, upward, awkward), ist es unbetont und wird zu /wɚd/ reduziert. Es klingt wie „werd“ und nicht wie das Wort war. Den vollen „war“-Vokal /ɔr/ hört man nur, wenn ward selbst betont ist, wie in award, reward, ward und warden.
Forward ist also /ˈfɔrwɚd/ („FOR-werd“), backward ist /ˈbækwɚd/ („BÄCK-werd“) und awkward ist /ˈɔkwɚd/ („OK-werd“). Wer das Ende wie „wahrd“ ausspricht, klingt, als würde er Buchstabe für Buchstabe vorlesen. Wer „werd“ sagt, klingt amerikanisch.
Die Regel in einem Satz
Suche die Betonung. Liegt sie auf dem Wort vor -ward, ist das Ende /wɚd/. Liegt sie auf ward selbst, ist es /wɔrd/.
- unbetontes -ward = /wɚd/: FORward, BACKward, UPward, AWKward, AFterward
- betontes ward = /wɔrd/: aWARD, reWARD, WARD, WARden, WARDrobe
Das ist das ganze System. Die Schreibung ist identisch; nur die Betonung verändert den Laut.
Warum es funktioniert: Die Betonung entscheidet über den Vokal
Das Deutsche kennt das Prinzip schon: In „Lehrer“ oder „Wasser“ wird die unbetonte Endung zu einem kurzen, neutralen Laut. Das Englische treibt es noch weiter. Betonte Silben sind lang, laut und behalten ihren vollen Vokal; unbetonte Silben werden zusammengedrückt, und ihr Vokal schrumpft zum Schwa /ə/, einem neutralen, entspannten Laut.
Im amerikanischen Englisch bleibt ein Schwa vor r nicht als zwei Laute bestehen. Beide verschmelzen zu einem einzigen r-gefärbten Vokal, /ɚ/, demselben Laut wie am Ende von butter /ˈbʌt̬ɚ/ oder doctor /ˈdɑktɚ/. Genau das passiert mit -ward: Das /ɔr/ von „war“ verliert die Betonung, schrumpft zu /ɚ/, und die ganze Endung wird zu /wɚd/, einem schnellen „werd“.
Es gibt auch einen historischen Grund. Die Nachsilbe stammt vom altenglischen -weard, „hingewandt“, verwandt mit dem deutschen -wärts (vorwärts, rückwärts). Sie wurde immer an ein Wort gehängt, das schon eine eigene Betonung hatte (for, back, up, down, home, west), also bekam die Nachsilbe nie den Akzent. Genau wie im Deutschen: VORwärts, nicht vorWÄRTS. Das funktioniert wie -man in policeman, das ebenfalls zum Schwa wird (siehe warum policeman und policemen gleich klingen). Und es gehört zu einer größeren Familie von Nachsilben, die ihren Vokal abschwächen oder behalten, wie wir bei den Suffixen -dom, -some, -hood und -ship erklären.
Das erklärt auch, warum -ward ein Muster bricht, das du vielleicht kennst: Nach w wird ar meist /ɔr/ gesprochen, wie in war, warm und warn. Dieses Muster gilt für betonte Silben. Da -ward unbetont ist, greift es nicht, und es entsteht /wɚ/.
Beispiele für das Muster
In allen Wörtern unten liegt die Betonung auf dem ersten Teil, und -ward ist ein schwaches „werd“.
| Wort | IPA (US) | Klingt wie | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| forward | /ˈfɔrwɚd/ | FOR-werd | nach vorn |
| backward | /ˈbækwɚd/ | BACK-werd | nach hinten |
| upward | /ˈʌpwɚd/ | UP-werd | nach oben |
| downward | /ˈdaʊnwɚd/ | DOWN-werd | nach unten |
| inward | /ˈɪnwɚd/ | IN-werd | nach innen |
| outward | /ˈaʊtwɚd/ | OUT-werd | nach außen |
| homeward | /ˈhoʊmwɚd/ | HOME-werd | heimwärts |
| westward | /ˈwɛstwɚd/ | WEST-werd | westwärts |
| eastward | /ˈistwɚd/ | EAST-werd | ostwärts |
| afterward | /ˈæftɚwɚd/ | AF-ter-werd | danach |
| wayward | /ˈweɪwɚd/ | WAY-werd | eigensinnig, widerspenstig |
| awkward | /ˈɔkwɚd/ (/ˈɑkwɚd/) | AWK-werd | peinlich, unbeholfen |
| Edward | /ˈɛdwɚd/ | ED-werd | Vorname (Eduard) |
Beachte: Das /w/ wird immer deutlich gesprochen; schwach wird nur der Vokal danach. Runde die Lippen für /w/, gehe direkt in das r-gefärbte /ɚ/ mit zurückgebogener Zunge über und ende mit einem leichten, stimmhaften /d/.
Awkward: zwei „w“, ein schwaches Ende
Awkward kommt von einem alten Wort awk, „verkehrt herum“, plus -ward. Es folgt der Regel perfekt: /ˈɔkwɚd/, „OK-werd“ (mit offenem o wie in „Rock“). Viele Amerikaner, die die Vokale von caught und cot nicht unterscheiden, sagen /ˈɑkwɚd/, was genauso natürlich ist. Entscheidend ist die zweite Silbe: ein kurzes, schwaches „werd“, niemals „wahrd“.
Die Ausnahmen: Wann „ward“ seinen vollen Vokal behält
Diese „Ausnahmen“ sind eigentlich keine: Es sind Wörter, in denen ward betont ist. In award und reward sind die Vorsilben a- und re- schwach, also fällt die Betonung auf ward. In ward, warden und wardrobe ist ward die erste, betonte Silbe. Vergleiche diese Paare:
| betontes ward: /wɔrd/ | unbetontes -ward: /wɚd/ |
|---|---|
| award /əˈwɔrd/ | awkward /ˈɔkwɚd/ |
| reward /rɪˈwɔrd/ | backward /ˈbækwɚd/ |
| ward /wɔrd/ | forward /ˈfɔrwɚd/ |
| warden /ˈwɔrdən/ | Edward /ˈɛdwɚd/ |
| wardrobe /ˈwɔrdˌroʊb/ | wayward /ˈweɪwɚd/ |
Das Paar award / awkward eignet sich am besten zum Üben: fast gleich geschrieben, aber das eine ist „e-WORD“, das andere „OK-werd“.
So erkennst du sie: Frag dich, wo der Akzent liegt. Ist ward der Teil, den du am lautesten sagen würdest, nimm das volle /wɔrd/. Kommt ein anderer Teil davor und trägt die Betonung, nimm /wɚd/.
Toward: das Wort mit mehreren richtigen Formen
Toward („in Richtung“) ist das flexibelste Wort der Gruppe, und Amerikaner sprechen es tatsächlich unterschiedlich aus. Die häufigsten Formen sind:
- /tɔrd/, eine einzige Silbe, reimt sich auf ford und bored
- /təˈwɔrd/, zwei Silben mit Betonung auf ward (deshalb der volle Vokal, genau wie die Regel sagt)
- /twɔrd/, ebenfalls zu hören, eine Silbe, die mit „tw“ beginnt
Alle sind richtig. Wenn du dich für eine einfache Variante entscheiden willst, nimm /tɔrd/: kurz, natürlich und in den USA sehr verbreitet.
Doppelgänger: coward, Howard, steward
Manche Wörter enden in der Schrift auf -ward, enthalten aber nicht die Nachsilbe. In coward („Feigling“) /ˈkaʊɚd/ und Howard /ˈhaʊɚd/ gehört das w zur Schreibung ow für den Diphthong /aʊ/; es gibt also kein eigenes /w/: „KAU-erd“, „HAU-erd“. Steward ist /ˈstuɚd/, „STU-erd“ (anders als das deutsche Lehnwort „Steward“). Die gute Nachricht: Das Ende bleibt schwach, /ɚd/.
Ein nützliches Homophon
Forward und foreword (das Vorwort eines Buches) werden gleich ausgesprochen: /ˈfɔrwɚd/. Der Kontext unterscheidet sie.
-ward und -wards: /z/ anhängen, nicht /s/
Mit angehängtem -s wird das Ende zu /wɚdz/. Weil /d/ stimmhaft ist, ist auch das End-s stimmhaft: ein summendes /z/ wie in „Sonne“, kein zischendes /s/, und schon gar kein /ts/.
- backwards /ˈbækwɚdz/
- towards /tɔrdz/
- afterwards /ˈæftɚwɚdz/
Das amerikanische Englisch bevorzugt im Allgemeinen die Formen ohne -s: toward, forward, afterward, upward. Die -s-Formen (towards, afterwards) klingen eher britisch, auch wenn Amerikaner sie verstehen und viele sie benutzen. Die große Ausnahme ist backwards, das in den USA in Alltagsausdrücken wie „I put my shirt on backwards“ (ich habe mein Hemd verkehrt herum angezogen) oder „backwards and forwards“ sehr üblich ist. Das Adverb forwards ist im amerikanischen Englisch selten; normal ist forward.
Nicht mit -wise verwechseln
Die Nachsilbe -wise verhält sich anders: Sie behält ihren vollen Vokal /waɪz/ mit Nebenbetonung.
- clockwise /ˈklɑkˌwaɪz/
- otherwise /ˈʌðɚˌwaɪz/
- likewise /ˈlaɪkˌwaɪz/
Eine Eselsbrücke: „-ward goes weak, -wise stays wise“ (-ward wird schwach, -wise bleibt voll).
Typische Fehler deutschsprachiger Lernender
- w als /v/. Der Klassiker: „forvard“, „backvard“, „ovkvard“. Das englische /w/ entsteht nur mit gerundeten Lippen, ohne dass die Unterlippe die oberen Zähne berührt. Denk an ein kurzes „u“ vor dem Vokal.
- Auslautverhärtung. Im Deutschen wird ein d am Wortende zu t („Rad“ = /raːt/). So entsteht „forwart“. Im Englischen bleibt /d/ stimmhaft, und -wards endet auf /dz/, nicht auf /ts/.
- Das a wie im Deutschen lesen. Durch die Nähe zu „vorwärts“ oder „Wart“ liest man leicht „wahrd“ mit /a/. In der amerikanischen Endung gibt es kein /a/: Denk an den Vokal in bird.
- Das r vokalisieren. Im Deutschen wird r nach Vokal oft zu einem „a“-artigen Laut („Tür“ klingt wie „Tüa“). So wird forward zu „FO-ad“. Im amerikanischen Englisch bleibt die Zunge für /ɚ/ zurückgebogen, der r-Laut ist hörbar.
- „aw“ als „au“ lesen. In awkward ist aw kein Diphthong wie in „Haus“, sondern ein einziger Vokal: /ɔ/ oder /ɑ/.
- Einen Vokal einschieben. Manche sagen /ˈfɔrəwɚd/, „for-e-werd“. Geh direkt vom /r/ zum /w/.
Tipp: Denk „FOR-werd“, „BÄCK-werd“, „OK-werd“, mit englischem w. Erster Teil stark, zweiter Teil schnell, Zunge für das r zurückgebogen, und das d am Ende weich lassen.
Übung
Hör dir jedes Wort an und sprich es nach. Achte besonders auf award und reward, wo ward betont ist, und auf clockwise, wo -wise seinen vollen Vokal behält.
Übungssätze
Großbuchstaben zeigen die betonte Silbe. Jedes kleingeschriebene „werd“ ist schnell und schwach.
- Move FORwerd, not BACKwerd. (Geh vorwärts, nicht rückwärts.)
- It was AWKwerd when EDwerd forgot about the aWARD. (Es war peinlich, als Edward die Auszeichnung vergaß.)
- We walked TORD the river and had lunch AFterwerd. (Wir gingen zum Fluss und aßen danach zu Mittag.)
- Prices went UPwerd, then DOWNwerd. (Die Preise stiegen und fielen dann.)
- The reWARD went to the WARden. (Die Belohnung ging an den Gefängnisdirektor.)
- Turn it CLOCKwise; OTHerwise it won't open. (Dreh es im Uhrzeigersinn, sonst geht es nicht auf.)
Kontrastübung
Sprich jedes Paar dreimal und spüre, wie die Betonung wandert: award / awkward, reward / backward, ward / forward, warden / Edward.
Kurze Checkliste
- Nachsilbe -ward nach einem betonten Wort = /wɚd/, „werd“ (forward, backward, upward, awkward, afterward).
- Betontes ward = /wɔrd/, wie „war“ + d (award, reward, ward, warden, wardrobe).
- Toward ist meist /tɔrd/ oder /təˈwɔrd/; beides ist richtig.
- -wards endet auf /dz/, und das amerikanische Englisch lässt das -s meist weg (außer bei backwards).
- -wise behält den vollen Vokal: clockwise, otherwise, likewise.
- w mit runden Lippen, kein /v/; d am Ende stimmhaft, kein /t/.