Wenn man im Englischen aus einem Ländernamen ein Nationalitätswort macht, wandert die Betonung oft auf eine andere Silbe, und die Vokale ändern sich mit. Entscheidend ist die Endung: -ese zieht die Betonung auf sich (ja-PAN wird ja-pa-NESE), -ian setzt sie auf die Silbe direkt davor (IT-a-ly wird i-TAL-ian), und -an oder -ish lassen sie meist, wo sie war (MEX-i-co, MEX-i-can).
Das ist wichtig, weil Nationalitäten in fast jedem Gespräch vorkommen: woher man kommt, was man gern isst, welche Sprachen man spricht. Für Deutschsprachige gibt es zusätzliche Fallen, denn viele deutsche Wörter sehen fast gleich aus (Chinese, Japan, Italiener, Kanadier), haben aber eine andere Betonung oder andere Laute. Man versteht Sie zwar, aber es klingt holprig.
Die Regel in Kürze
- -ese ist betont: Japan /dʒəˈpæn/ → Japanese /ˌdʒæpəˈniz/, China → Chinese /tʃaɪˈniz/.
- -ian / -ean betont die Silbe direkt davor, und deren Vokal ändert sich oft: Italy /ˈɪtəli/ → Italian /ɪˈtæljən/, Canada /ˈkænədə/ → Canadian /kəˈneɪdiən/.
- -an, -n, -ish behalten die Betonung des Landesnamens: Mexico → Mexican, Russia → Russian, Poland → Polish.
- -i betont die Silbe direkt davor: Pakistan → Pakistani /ˌpækɪˈstæni/, Israel → Israeli /ɪzˈreɪli/.
Warum das so funktioniert
Es gibt starke und neutrale Endungen
Manche englischen Suffixe ziehen die Betonung an: -ese verhält sich wie -ee in employEE oder -eer in engiNEER (mehr dazu in betonungsanziehende Suffixe: -ee, -eer, -ese, -ette). Andere, wie -ian, legen die Betonung auf die vorherige Silbe fest, genau wie -ion, -ial und -ious (siehe Betonung vor -ious, -ial, -ian und -ion). Und -an oder -ish sind neutral: Sie hängen sich an das Wort, ohne die Betonung zu verändern.
Wandert die Betonung, ändern sich die Vokale
Im amerikanischen Englisch werden unbetonte Vokale zu Schwa /ə/ (wie das "e" in "bitte") oder zu einem kurzen /ɪ/ abgeschwächt. Springt die Betonung, wird ein schwacher Vokal plötzlich voll, und ein voller Vokal fällt zu Schwa zusammen. Canada /ˈkænədə/ hat in der ersten Silbe ein offenes /æ/ und in der zweiten Schwa. In Canadian /kəˈneɪdiən/ ist es umgekehrt: Die erste Silbe wird schwach, die zweite bekommt /eɪ/ wie in "name". Italy und Italian funktionieren genauso: /ˈɪtəli/ hat eine schwache Mittelsilbe, /ɪˈtæljən/ ein starkes /æ/ wie in "cat".
Der Rhythmus will einen Schlag gegen Ende
Brazil und Brazilian behalten dieselbe betonte Silbe, weil -zil- schon direkt vor -ian steht. Dasselbe gilt für Colombia /kəˈlʌmbiə/ und Colombian /kəˈlʌmbiən/: Die Betonung sitzt bereits an der richtigen Stelle.
Mustertabelle: Land und Nationalität
| Land | Nationalität / Sprache | Was sich ändert |
|---|---|---|
| Japan /dʒəˈpæn/ | Japanese /ˌdʒæpəˈniz/ | -ese trägt die Betonung; 1. Silbe wird /æ/ |
| China /ˈtʃaɪnə/ | Chinese /tʃaɪˈniz/ | Betonung wandert auf -nese |
| Vietnam /viˈɛtnɑm/ | Vietnamese /viˌɛtnəˈmiz/ | Betonung wandert auf -mese |
| Portugal /ˈpɔrtʃəɡəl/ | Portuguese /ˌpɔrtʃəˈɡiz/ | Betonung wandert auf -guese |
| Lebanon /ˈlɛbənən/ | Lebanese /ˌlɛbəˈniz/ | Betonung wandert auf -nese |
| Italy /ˈɪtəli/ | Italian /ɪˈtæljən/ | Betonung auf -tal-; /ɪ/ wird /æ/ |
| Canada /ˈkænədə/ | Canadian /kəˈneɪdiən/ | Betonung auf -na-; /æ/ wird /eɪ/ |
| Brazil /brəˈzɪl/ | Brazilian /brəˈzɪljən/ | bleibt (-zil- steht schon vor -ian) |
| Egypt /ˈidʒɪpt/ | Egyptian /ɪˈdʒɪpʃən/ | Betonung auf -gyp-; /i/ wird /ɪ/ |
| Hungary /ˈhʌŋɡəri/ | Hungarian /hʌŋˈɡɛriən/ | Betonung auf -gar-; /ə/ wird /ɛ/ |
| Norway /ˈnɔrweɪ/ | Norwegian /nɔrˈwidʒən/ | Betonung auf -we-; /eɪ/ wird /i/ |
| Peru /pəˈru/ | Peruvian /pəˈruviən/ | bleibt auf -ru- |
| Mexico /ˈmɛksɪˌkoʊ/ | Mexican /ˈmɛksɪkən/ | bleibt auf Mex- |
| Korea /kəˈriə/ | Korean /kəˈriən/ | bleibt auf -re- |
| Germany /ˈdʒɝməni/ | German /ˈdʒɝmən/ | bleibt auf Ger- |
| Russia /ˈrʌʃə/ | Russian /ˈrʌʃən/ | bleibt auf Rus- |
| Spain /speɪn/ | Spanish /ˈspænɪʃ/ | gleiche Silbe; /eɪ/ wird /æ/ |
| Denmark /ˈdɛnmɑrk/ | Danish /ˈdeɪnɪʃ/ | Vokal kommt von Dane /deɪn/ |
| Poland /ˈpoʊlənd/ | Polish /ˈpoʊlɪʃ/ | bleibt; /oʊ/ bleibt |
| Pakistan /ˈpækɪˌstæn/ | Pakistani /ˌpækɪˈstæni/ | Hauptbetonung wandert auf -stan- |
| Israel /ˈɪzriəl/ | Israeli /ɪzˈreɪli/ | Betonung auf -ra-; neues /eɪ/ |
| Thailand /ˈtaɪˌlænd/ | Thai /taɪ/ | unregelmäßig; TH klingt wie /t/ |
| Philippines /ˈfɪləˌpinz/ | Filipino /ˌfɪləˈpinoʊ/ | unregelmäßig; Betonung auf -pi- |
Ausnahmen und Sonderfälle
- -ese-Wörter vor einem Nomen. Wegen der Rhythmusregel kann die Betonung nach vorne rutschen, wenn ein betontes Nomen folgt: "She's JapaNESE", aber "JAPanese FOOD" /ˌdʒæpəniz ˈfud/. "Chinese food" hört man sehr oft als CHI-nese FOOD.
- Arab, Arabic, Arabian. Arabic /ˈærəbɪk/ bleibt auf der ersten Silbe betont, obwohl die meisten -ic-Wörter die Silbe vor -ic betonen (ATom → aTOMic). Arabian /əˈreɪbiən/ folgt dagegen der -ian-Regel.
- Argentina. Üblich sind Argentinian /ˌɑrdʒənˈtɪniən/ und Argentine /ˈɑrdʒənˌtin/ oder /ˈɑrdʒənˌtaɪn/. In Argentinian ist der Vokal ein kurzes /ɪ/, nicht das /i/ von Argentina.
- Iran und Iraq. Iranian hat zwei gängige Formen: /ɪˈreɪniən/ und /ɪˈrɑniən/. Iraqi ist /ɪˈræki/ oder /ɪˈrɑki/.
- Paris → Parisian /pəˈriʒən/ oder /pəˈrɪʒən/: Die Betonung wandert, und das S wird zu /ʒ/ wie in "vision" (wie das J in "Journal").
- Vokalwechsel bei -ish. Die Betonung bleibt, aber der Vokal kann sich ändern: Spain /speɪn/ → Spanish /ˈspænɪʃ/. Danish /ˈdeɪnɪʃ/ kommt von Dane, nicht von Denmark.
- Polish und polish. Polish (polnisch) ist /ˈpoʊlɪʃ/; polish (polieren) ist /ˈpɑlɪʃ/.
- Kurze, unregelmäßige Formen. France → French /frɛntʃ/, Greece → Greek /ɡrik/, Switzerland → Swiss /swɪs/, the Netherlands → Dutch /dʌtʃ/ (nicht "deutsch"!), Thailand → Thai /taɪ/ (das TH ist ein einfaches /t/), the Philippines → Filipino /ˌfɪləˈpinoʊ/.
Typische Fehler deutschsprachiger Lernender
- Chinese wie das deutsche Wort. "Der Chinese" wird im Deutschen chi-NE-se mit /ç/ und langem E gesprochen. Im Englischen ist es chai-NEEZ /tʃaɪˈniz/: mit "tsch", mit /aɪ/ und ohne Endsilbe.
- Japan mit deutscher Betonung. Deutsch sagt JA-pan, Englisch ja-PAN /dʒəˈpæn/. Und daraus wird ja-pa-NESE, nicht "ja-PA-nese" nach dem Muster von "Japaner".
- Das J als /j/. Japanese beginnt mit /dʒ/ wie "Dschungel", nicht mit dem deutschen J aus "ja".
- Auslautverhärtung. Japanese und Chinese enden auf ein stimmhaftes /z/ wie in "knees". Deutschsprachige machen am Wortende gern ein /s/ daraus.
- Italian wie "Italiener". Das Deutsche betont i-ta-LIE-ner. Im Englischen ist -ian schwach: ih-TAL-yun.
- Norwegian wie "Norwegen". Deutsch betont NOR-we-gen mit /v/. Englisch: nor-WEE-jun, mit /w/ (Lippen rund, keine Zähne) und /dʒ/.
- Kanadier richtig betont, aber falscher Vokal. Die Betonung von Ka-NA-dier passt sogar, aber das A muss zu /eɪ/ werden: kuh-NAY-dee-un.
So üben Sie
- Paar sprechen und den Schlag klopfen. Sagen Sie "I-ta-ly" und klopfen Sie auf die erste Silbe, dann "i-TAL-ian" mit Klopfen auf die zweite. Wiederholen Sie mit CA-na-da / ca-NA-dian und ja-PAN / ja-pa-NESE.
- Nach Endung sortieren. Schreiben Sie die Nationalitäten, die Sie am häufigsten brauchen, in vier Spalten: -ese, -ian, -an/-ish, -i. Fragen Sie sich vor dem Sprechen, in welche Spalte das Wort gehört.
- Mit dem Deutschen vergleichen. Sagen Sie laut "der Chinese / Chinese", "Japan (deutsch) / Japan (englisch)", "Norwegen / Norwegian" und spüren Sie, wie die Betonung anders fällt.
- Den Vokalwechsel übertreiben. Bei Canadian leicht lächeln und auf -na- von /e/ zu /ɪ/ gleiten (wie "NEH-i"). Bei Italian den Kiefer für das /æ/ in -tal- weit öffnen.
- Das /z/ summen lassen. Legen Sie die Hand an den Kehlkopf und ziehen Sie das Ende von Japanese in die Länge: "zzz". Vibriert nichts, ist es /s/.
- In Phrasen üben. Vergleichen Sie "She's Japanese" mit "a Japanese car", um zu spüren, wie die Betonung vor einem Nomen nach vorne rutscht.
Übungswörter
Übungssätze
- My Japanese friend lived in Japan, Italy, and Canada before moving here.
- The Italian chef and the Canadian waiter both speak Portuguese.
- Is she Chinese or Vietnamese? She grew up in China but loves Vietnam.
- A Brazilian, a Peruvian, and a Mexican shared a table in Brazil.
- The Egyptian guide speaks Arabic, English, and a little Norwegian.
- Hungarian and Polish are very different from German and Russian.
- Our Pakistani and Israeli classmates both studied in Spain.
- We ordered Thai food, then Lebanese desserts, then Japanese tea.
Kurze Zusammenfassung
- Die Endung bestimmt die Betonung, nicht der Ländername.
- -ese ist betont: ja-pa-NESE, por-tu-GUESE.
- -ian betont die Silbe davor: i-TAL-ian, ca-NA-dian, e-GYP-tian.
- -an, -n und -ish behalten die ursprüngliche Betonung: MEX-i-can, RUS-sian, PO-lish.
- -i betont die Silbe davor: pa-ki-STA-ni, is-RAE-li.
- Wandert die Betonung, ändern sich die Vokale: /ˈkænədə/ → /kəˈneɪdiən/.
- Vorsicht bei deutschen Doppelgängern: Chinese, Japan, Italiener, Norwegen.