Die Regel ist einfach: Endet ein englisches Wort auf den Buchstaben o, wird dieses o als volles langes O gesprochen, also als /oʊ/, derselbe Laut wie in go und no. Das gilt auch dann, wenn die letzte Silbe unbetont ist: photo ist /ˈfoʊtoʊ/, piano ist /piˈænoʊ/ und tomato ist /təˈmeɪtoʊ/. Das End-o wird nie zu einem schwachen Murmellaut (Schwa /ə/), obwohl fast alle anderen unbetonten Vokale im Englischen genau das tun.
Für Deutschsprachige liegt die Schwierigkeit woanders als man denkt. Wörter wie Foto, Radio, Video, Echo oder Logo gibt es auch im Deutschen, und dort endet das o auf einem reinen, ruhigen Vokal wie in Boot. Das amerikanische /oʊ/ dagegen bewegt sich: Es beginnt bei „o“ und gleitet Richtung „u“, wobei sich die Lippen am Ende etwas enger runden. Wer die deutschen Wörter einfach übernimmt, wird verstanden, klingt aber sofort deutsch. Mit dem richtigen Gleitlaut klingen Dutzende Alltagswörter auf einen Schlag natürlicher.
Die Regel in Kürze
- End-o = /oʊ/. photo, piano, radio, hello, zero, mango, echo.
- Es bleibt voll, auch unbetont. Die letzte Silbe von photo oder video trägt keine Betonung, behält aber ein ganzes /oʊ/, nie ein Schwa /ə/.
- Ein o im Wortinneren kann reduziert werden, das End-o nicht. Das erste o in potato ist ein schwaches /pə/, das letzte ein volles /oʊ/.
- Wenige Ausnahmen: do, to, who, two, into, onto und undo enden auf /u/, nicht auf /oʊ/.
Warum das so ist
Fast alle unbetonten Vokale werden reduziert, dieser nicht
Englisch hat einen akzentzählenden Rhythmus. Betonte Silben sind lang und deutlich, unbetonte kurz und oft zu Schwa /ə/ abgeschwächt. Deshalb wird das erste o in potato zu /pə/, photograph klingt /ˈfoʊtəˌɡræf/ mit schwachem mittleren o, und photography klingt /fəˈtɑɡrəfi/ mit schwachem ersten o. In all diesen Fällen steht das o im Inneren des Wortes.
Am Wortende dagegen widersteht das o der Reduktion. Vergleiche es mit dem End-a: sofa /ˈsoʊfə/ und pizza /ˈpitsə/ enden auf einem schwachen Schwa, photo und piano dagegen auf einem vollen /oʊ/. Die andere Hälfte der Geschichte findest du in unserem Artikel warum das End-a in banana, sofa und drama schwach klingt. Es sind Zwillingsregeln: End-a wird schwach, End-o bleibt stark.
Ein bisschen Wortgeschichte
Die meisten englischen Wörter auf -o sind Lehnwörter, oft aus dem Italienischen und Spanischen (piano, studio, tornado, volcano, mango, avocado), oder Kurzformen (photo von photograph, memo von memorandum, auto von automobile). In der Ursprungssprache war das End-o immer ein voller Vokal, und das Englische hat ihn mit seinem nächstliegenden Vokal wiedergegeben: /oʊ/.
Was dein Mund macht
Das amerikanische /oʊ/ ist ein Diphthong, ein Vokal in Bewegung. Du beginnst mit leicht gerundeten Lippen bei einem mittleren „o“, dann hebt sich die Zunge hinten etwas an und die Lippen runden sich enger, bis du nahe bei /ʊ/ landest (dem Vokal in book, ähnlich wie das kurze u in Mutter). Denk an „ou“, ohne das u zu übertreiben. Auch in einer unbetonten Silbe bleibt dieses Gleiten erhalten; es ist nur kürzer und leiser. Genau derselbe Laut steckt übrigens im End-ow von window und follow; mehr dazu in warum finales -ow in mehrsilbigen Wörtern /oʊ/ ist.
Ein Wort zum amerikanischen T
In vielen dieser Wörter steht das t zwischen zwei Vokalen, und Amerikaner sprechen es meist als schnellen Zungenschlag (Flap), ähnlich einem ganz kurzen, gerollten r oder dem d in Leder, schnell gesprochen: photo [ˈfoʊɾoʊ], potato [pəˈteɪɾoʊ], tomato [təˈmeɪɾoʊ]. Wörterbücher und diese Seite schreiben /t/, aber im Gespräch hörst du den Flap. Ein stark behauchtes deutsches t klingt hier zu hart. Der Flap ändert den Konsonanten, nie das /oʊ/ am Ende.
Mustertabelle: Wörter mit End-o
Schau auf die Spalte mit der Betonung: Sie wechselt von Wort zu Wort, aber der Endlaut bleibt immer gleich.
| Wort | IPA (US) | Betonte Silbe | Endlaut | Plural |
|---|---|---|---|---|
| photo | /ˈfoʊtoʊ/ | 1. | /oʊ/ | photos /ˈfoʊtoʊz/ |
| piano | /piˈænoʊ/ | 2. | /oʊ/ | pianos |
| tomato | /təˈmeɪtoʊ/ | 2. | /oʊ/ | tomatoes |
| potato | /pəˈteɪtoʊ/ | 2. | /oʊ/ | potatoes |
| radio | /ˈreɪdiˌoʊ/ | 1. | /oʊ/ | radios |
| video | /ˈvɪdiˌoʊ/ | 1. | /oʊ/ | videos |
| studio | /ˈstudiˌoʊ/ | 1. | /oʊ/ | studios |
| hello | /həˈloʊ/ | 2. | /oʊ/ | hellos |
| zero | /ˈzɪroʊ/ | 1. | /oʊ/ | zeros |
| hero | /ˈhɪroʊ/ | 1. | /oʊ/ | heroes |
| echo | /ˈɛkoʊ/ | 1. | /oʊ/ | echoes |
| logo | /ˈloʊɡoʊ/ | 1. | /oʊ/ | logos |
| avocado | /ˌævəˈkɑdoʊ/ | 3. | /oʊ/ | avocados |
Weitere Wörter, die der Regel folgen: patio, memo, auto (/ˈɔtoʊ/), also (/ˈɔlsoʊ/), ago (/əˈɡoʊ/), Chicago (/ʃɪˈkɑɡoʊ/), Mexico (/ˈmɛksɪˌkoʊ/), tornado, volcano, mango, buffalo, rodeo, solo. Viele Amerikaner sprechen auto und also mit /ɑ/ statt /ɔ/; das Ende ist in beiden Fällen /oʊ/. Vorsicht bei also: Es heißt „auch“, nicht „also“.
Ausnahmen
Die /u/-Gruppe: do, to, who, two
Eine kleine Gruppe sehr alter und sehr häufiger Wörter endet auf o, wird aber mit /u/ gesprochen (dem Vokal in food, wie in Schuh): do /du/, to /tu/, who /hu/, two /tu/, dazu die Zusammensetzungen into, onto, undo. Diese Wörter haben ihren Vokal vor Jahrhunderten in der Großen Vokalverschiebung geändert, lange bevor die Lehnwörter auf -o ins Englische kamen.
Außerdem hat to im schnellen Sprechen eine schwache Form: „I want to go“ klingt oft wie /aɪ ˈwɑnt tə ˈɡoʊ/. Das ist ein Funktionswort, das im Satz reduziert wird, keine Ausnahme für Wörter wie photo oder tomato.
Plural: -os und -oes klingen gleich
Manche Wörter bekommen -s (photos, pianos, radios, videos, studios), andere -es (potatoes, tomatoes, heroes, echoes, volcanoes). Das ist nur ein Unterschied in der Schreibung. Gesprochen wird immer /oʊz/, mit einem stimmhaften z wie in Sonne, nicht mit scharfem s: tomatoes /təˈmeɪtoʊz/, photos /ˈfoʊtoʊz/. Die einzige Überraschung ist does /dʌz/, das von do kommt und zur /u/-Gruppe gehört.
Typische Fehler deutschsprachiger Lerner
- Das reine deutsche lange o. Fehler Nummer eins. Photo wie Foto mit dem o aus Boot klingt abgehackt. Hänge den kleinen Gleitlaut an: „fou-tou“.
- Das z in zero. Im Deutschen ist z ein /ts/, also „tsero“. Im Englischen ist z ein stimmhaftes /z/, wie das s in Sonne: /ˈzɪroʊ/.
- Auslautverhärtung im Plural. Deutsch macht Endkonsonanten stimmlos, deshalb wird photos oft zu „fotos“ mit scharfem s. Lass die Stimme beim /z/ weiterlaufen.
- Deutsche Vokale in der Mitte. Radio beginnt mit /eɪ/ („rei“), nicht mit a; video hat /ɪ/ und dann /i/ („wi-di-ou“, mit v wie das deutsche w), nicht „Wi-de-o“; tomato hat ein schwaches /tə/ und betontes /eɪ/.
- Falsche Betonung. Ein volles End-o heißt nicht, dass es betont ist. Photo, radio, video, zero, echo werden vorne betont, piano, tomato, hello auf der zweiten Silbe.
- Das deutsche Zäpfchen-r. In zero und hero berührt das amerikanische r den Rachen nicht; die Zunge biegt sich nur leicht nach hinten.
So übst du
- Erst die Betonung klopfen. Klopfe für jede Silbe einmal auf den Tisch, auf der betonten fester: PHO-to, pi-A-no, to-MA-to. Dann sprich das Wort und halte die letzte Silbe kurz, aber vollständig.
- Spiegeltest. Sag „ou“ und beobachte die Lippen: Sie starten gerundet und werden am Ende etwas enger. Bewegen sie sich nicht, ist es das deutsche o.
- Kontrastpaare. Vergleiche den Endvokal: photo /oʊ/ gegen photograph /ə/; piano gegen pizza; tomato gegen sofa; und potato (erstes o schwach, letztes o stark).
- Das -s dazunehmen. Übe Singular und Plural direkt hintereinander: photo, photos; tomato, tomatoes; hero, heroes. Summe durch das /z/ hindurch.
- Kurze Phrasen. „hello radio“, „zero photos“, „a video ago“, in gleichmäßigem Rhythmus und ohne Pause.
- Nimm dich auf. Nutze die Karten unten, vergleiche mit dem Vorbild und hör nur auf den letzten Vokal.
Übung
Übungssätze
- Put the photo of the piano next to the radio.
- My hero ate a tomato and an avocado in Chicago.
- Send me the video from the studio on the patio.
- Hello, I left the potatoes and tomatoes in the auto.
- The tornado and the volcano were on the news a month ago.
- There's a mango logo on the memo, and also on the video.
- The echo in the studio made the piano sound huge.
- I scored zero on the radio quiz, but I also won a photo frame.
Kurz zusammengefasst
- Ein o am Ende eines englischen Wortes wird /oʊ/ gesprochen: photo, piano, tomato, radio, video, zero.
- Es bleibt auch in unbetonten Silben ein vollständiger Diphthong und wird nie zu Schwa.
- Ein unbetontes o im Wortinneren wird reduziert (potato /pə/, photograph /tə/), das End-o nicht.
- End-a wird reduziert (sofa, pizza), End-o nicht. Lerne beide Regeln zusammen.
- Ausnahmen mit /u/: do, to, who, two, into, onto, undo.
- Plurale auf -os und -oes klingen gleich: /oʊz/, mit stimmhaftem z.
- Kein reines deutsches o wie in Boot: Die Lippen runden sich am Ende enger, „ou“.